Arbeitslos und Praktikum: Erlaubt, und wie lange?

Ein Praktikum bietet die ideale Möglichkeit, in ein anderes Berufsfeld hineinzuschnuppern.
Ein Praktikum bietet die ideale Möglichkeit, in ein anderes Berufsfeld hineinzuschnuppern.

Ein Praktikum während der Arbeitslosigkeit hört sich im Prinzip wie eine gute Idee an, selbst wenn es unbezahlt ist.  Praktika sind Bildungsmaßnahmen, die Ihnen Arbeitserfahrung und zusätzliche Qualifikationen verleihen, also Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht.

Außerdem kann es vielleicht nach seiner Beendigung in eine bezahlte Beschäftigung übergehen. Folglich sollte einem Praktikum während der Arbeitslosigkeit also doch eigentlich nichts im Wege stehen.

Leider ist dem nicht so, denn es gibt bei Praktika einige bürokratische Fallstricke, die Sie gegenüber der Agentur für Arbeit beachten müssen.

 

Die Vorschriften der Agentur für Arbeit

Grundsätzlich dürfen Arbeitslose bis zu 15 Stunden pro Woche arbeiten, also auch ein Praktikum ableisten. Sie dürfen sogar Geld verdienen. Unter einem Freibetrag von EUR 100 pro Monat können Sie Ihr Praktikumshonorar behalten, wenn es über EUR 100 liegt, wird es mit Ihrem ALG I verrechnet.

 

Vorsicht bei Zuverdienstgrenzen und Zeitumfang von Nebenjobs bei ALG 1

Das größere Problem ist jedoch meist die Zeit: Sie sind nur berechtigt, ALG I zu empfangen, wenn Sie für eventuelle Nebentätigkeiten, zum Beispiel geringfügige Beschäftigungen oder selbstständige Tätigkeit, nicht mehr als 15 Stunden pro Woche aufwenden. Auch ein Praktikum wäre eine derartige Nebentätigkeit. Wenn Sie nun im Praktikum mehr als 15 Stunden arbeiten, was ja nicht unwahrscheinlich ist, dann verfällt Ihr Anrecht auf die Leistungen der Agentur für Arbeit, Sie bekommen kein Arbeitslosengeld I (ALG I) mehr ausgezahlt, und das selbst wenn Ihr Praktikum unbezahlt ist!

Das ist zunächst schwer zu verstehen. Das Arbeitsamt argumentiert hier folgendermaßen: Jeder Arbeitslose muss zu jedem Zeitpunkt dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, damit er jederzeit eine Stelle antreten kann. Sobald Sie also einen Praktikumsvertrag unterschrieben haben und für mehr als 15 Stunden pro Woche als Praktikant/in arbeiten, stehen Sie aus Sicht der Arbeitsagentur dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Und damit erlischt nach den Regeln der Agentur für Arbeit eine Ihrer Voraussetzungen, die Sie dazu berechtigen, ALG I zu empfangen.

 

Harzt4: Zuverdienstgrenze ja, zeitliche Begrenzung nein

Bei ALG II (Hartz IV) ist es anders: Hier dürfen Sie zeitlich gesehen so viele Stunden nebenher arbeiten wie Sie wollen. Eine zeitliche Begrenzung ist nicht gegeben. Es gibt lediglich die materielle Grenze des Freibetrags nach § 11b Abs. 2 SGB II und diese liegt bei EUR 100 liegt. Wenn Sie die Grenze überschreiten, wird alles was über dem Freibetrag liegt, mit Ihrem ALG II verrechnet. Mit einem unbezahlten oder nur symbolisch (also unter EUR 100 pro Monat) honorierten Praktikum hätten Sie als Bezieher von ALG II also keine Probleme.

Für diesen Artikel heißt das: Wir konzentrieren uns in erster Linie darauf, wie die Probleme beim ALG I zu lösen sind.

 

Habe ich einen Anspruch auf den Mindestlohn als Praktikant?

In der Politik und in den Medien wurde der Mindestlohn als Errungenschaft gefeiert. Leider profitieren Arbeitslose im Praktikum nicht davon. Denn Sie haben keinen Anspruch auf den Mindestlohn, wenn

  • das Praktikum Bestandteil einer Maßnahme zur Arbeitsförderung seitens Arbeitsagentur oder Jobcenter ist
  • das Praktikum kürzer als drei Monate dauert
  • Sie von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind und das Praktikum dauert länger als drei Monate, dann haben Sie einen Vergütungsanspruch, der jedoch unterhalb des Mindestlohns liegen kann.

Darüberhinaus wird der Mindestlohn sicher über der Zuverdienstgrenze liegen und es somit zu einer Anrechnung kommen.

 

Die Sichtweise Ihres Betreuers

Je nach Betreuer bei der Agentur für Arbeit und auch abhängig von Ihren Qualifikationen und der Chance, schnell etwas neues zu finden, haben Sie unterschiedliche Chancen, Ihre Idee mit einem Praktikum zu “verkaufen”. Wenn Sie zum Beispiel eine Ausbildung in einem gefragten Feld haben, zum Beispiel Erzieher oder KFZ-Mechanikerin sind, sich aber nur aus privaten Gründen beruflich verändern wollen und deshalb ein Praktikum in einem ganz anderen Feld machen wollen, dann wird Ihr Betreuer sicherlich nicht begeistert sein. Denn das Ziel der Agentur für Arbeit ist, Sie schnell wieder in Lohn und Brot zu bringen, nicht jedoch, Ihnen private berufliche Veränderungswünsche zu finanzieren.

Wenn Sie dagegen gelernter Daubner oder Buchbinder sind und es weit und breit keine Betriebe gibt, die Sie einstellen könnten oder wenn Sie gar noch gar keine Ausbildung haben, dann wird die Arbeitsagentur eher willens sein, Ihnen eine Umschulung zu bezahlen oder Ihnen ein Praktikum zu bewilligen, ohne dass Ihnen Ihre Leistungen gekürzt werden. Denn in diesem Falle ist das wahrscheinlich der schnellste Weg, Sie wieder in einen bezahltes, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu bringen.

 

Argumentationshilfen gegenüber Ihrem Betreuer

Wenn Sie die eben beschriebene Denkweise verinnerlichen und sich in Ihren Betreuer hineinversetzen, wird Ihnen die Argumentation sicher leichter fallen. Sie können ihm Ihr Praktikum zum Beispiel als Weiterbildungsmaßnahme verkaufen, die er Ihnen bescheinigen kann, so dass sie auch in seiner Erfolgsstatistik auftaucht.

Sie können sich auch von Ihrem Chef im Praktikumsbetrieb eine Bescheinigung ausstellen lassen, derzufolge Sie für Bewerbungsgespräche freigestellt sind und jederzeit fristlos den Betrieb verlassen dürfen, wenn Sie vom Arbeitsamt eine Stelle vermittelt bekommen. Diese Bescheinigung Ihrer Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt ist zwar nur eine Formsache, hilft aber, Ihren Betreuer zu beruhigen und Ihnen weiterhin den Anspruch auf ALG I zu erhalten.

Sollten Sie das Praktikum u.a. machen wollen, weil das Unternehmen als Umschulungsbetrieb in Frage kommen könnte, dann legen Sie diese Gedanken offen.

 

Wenn alle Stricke reißen

Sollte Ihr zuständiger Betreuer sich kategorisch weigern, Ihr Praktikum machen zu lassen oder sogar damit drohen, Ihnen Ihr ALG I zu sperren, wenn Sie das Praktikum antreten, dann lassen Sie sich das schriftlich geben. Danach können Sie gegenüber der Agentur für Arbeit unter Vorlage dieses Schreibens schriftlich Einspruch erheben. Normalerweise wird der Fall dann einem anderen Betreuer oder dem Vorgesetzten übergeben, wo Sie gute Chancen haben, auf mehr Verständnis zu stoßen.

Und ganz wichtig: In jedem Fall, egal wie frustrierend das Gespräch sein mag, bleiben Sie ruhig, gelassen und höflich. Denken Sie daran, dass Ihr Betreuer auch nur ein Mensch ist, der eben seine eigene Perspektive hat. So werden Sie sicher mehr Erfolg haben als mit erhobener Stimme und einer Mentalität, die mit dem Kopf durch die Wand will.

 

Fernkurse statt Praktikum bei Arbeitslosigkeit

Sie wollten ein Praktikum machen und es ist Ihnen vom Arbeitsamt nicht genehmigt worden? Ein Einspruch gegen diese Entscheidung ist ein Weg. Ein anderer Weg könnte ein Fernkurs sein. Ein solcher Kurs vermittelt Ihnen neue Fähigkeiten, Sie riskieren jedoch keinen Stress mit dem Arbeitsamt oder eine Reduzierung Ihrer Bezüge.

 

Widersprüchliche Handhabung

Während Ihnen ein Praktikum verweigert werden kann, ist ein Fernkurs oder Fernstudium immer möglich. Fernkurse dauern meist nur einige Monate (ab drei Monate) und sind somit kürzer als ein ganzes Fernstudium (ein bis drei Jahre). Auch die Kosten sind bedeutend niedriger. Fernkurse werden vor allem in praktischen Bereichen angeboten, sind also weniger Theorie beladen und vermitteln lebensnah praktische Fähigkeiten für den Berufsalltag.

Fernkurse werden in jedem erdenklichen Bereich angeboten: Ernährungsberatung, Kindererziehung, Krankenhausmanagement, Fremdsprachen, Techniker mit unterschiedlichen Spezialisierung, Gartengestaltung, Vertrieb, (Arzt-)Praxismanagement, Elektroniker mit unterschiedlichen Spezialisierungen, Projektmanagement, Soziale Arbeit, Psychologie, …

 

Kostenlos und unverbindlich Anfragen

Sie sind sich nicht sicher, ob ein Fernkurs das Richtige für Sie ist? Sie können sich kostenlos und unverbindlich den Studienkatalog der Ausbildungsinstitute zum Schmökern nach Hause bestellen. Dieser Service ist kostenlos für Sie.  

Umschulung per Fernstudium - unsere Empfehlungen:

 

 

Fazit:

Ein Praktikum während des Bezugs von ALG I ist prinzipiell möglich, wenn Sie es nur schaffen, die Agentur für Arbeit auf Ihre Seite zu bringen. Wenn Sie das schaffen, ist prinzipiell auch keine Zeitbegrenzung für das Praktikum gegeben, außer Ihrer Bezugsdauer für ALG I.

Vergessen Sie nicht, dass alle Praktika, wenn sie nicht im Rahmen eines Studiums oder einer Ausbildung abgeleistet werden oder über drei Monate dauern, dem Mindestlohn unterliegen. Bestehen Sie also auf eine angemessene Bezahlung.

 

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6 Gedanken zu „Arbeitslos und Praktikum: Erlaubt, und wie lange?“

  1. Hallo,
    Ich habe grade eine Angebot für eine Praktikum bekommen, für 3 Monate, die Idee ist für Suchen welche Abteilung passt besser für mich, aber ich finde mich in Arbeitslos, was bedeutet das für mich? die Praktikum ist bezahlt ich weiß noch nicht wie viel, aber das muss berechnen mit die Arbeitslosgeld? oder ist in die 3 Monate habe ich nicht die Anspruch für die Arbeitslosgeld egal was ich verdiene mit die Praktikum?

    Antworten
    • Hallo Monika,

      die Vergütung für Praktikanten ist leider mehr Schein als Sein.

      Sie haben nur einen Anspruch auf den Mindestlohn bei einem Praktikum, wenn das Praktikum länger als drei Monate dauert und es sich um keine Maßnahme der Arbeitsförderung handelt. Sind die Voraussetzungen gegeben, dann gibt es noch eine weitere Ausnahme, wonach bei Langzeitarbeitslosen unter Umständen auch ein niedrigerer Betrag als der Mindestlohn gezahlt werden kann. Sollte das Praktikum Teil einer Ausbildung nach dem Berufsausbildungsgesetz sein, dann besteht nur ein Anspruch auf die Mindestausbildungsvergütung.

      Wir hoffen die Auskunft hilft Ihnen weiter.

      Antworten
  2. Hallo,

    Ich habe ein Praktikum angeboten bekommen, da ich als Berufseinsteiger noch nicht die gewünschten Qualifikationen vorweisen kann. Der Vorschlag meines potenziellen AG lautete, eine Förderung oder zumindest Beteiligung durch das Jobcenter anzufragen. Leider habe ich von diesem heute den Ablehnungsbescheid erhalten. Ist eine Förderung dennoch möglich?

    Antworten
    • Hallo Julia,

      danke für Ihre Nachricht.

      Wir empfehlen Ihnen einen Widerspruch gegen den Bescheid einzulegen, letztlich eine Antwort zu schreiben, in der Sie erklären, dass Sie nicht einverstanden sind. Sehr wichtig dabei ist eine ausführliche Begründung. Über die Begründung erreichen Sie, dass der nächste (meist besser geschulte) Sachbearbeiter sich mehr mit dem Sachverhalt auseinandersetzen muss und so Ihre Chancen steigen, dass eine andere Entscheidung getroffen wird.

      Damit Sie verstehen, wie der Sachverhalt aus der Perspektive des JC aussieht: Grundsätzlich sind Praktika beim Jobcenter nicht sehr gern gesehen, da sie den Arbeitnehmer kurzeitig über den Praktikumsvertrag binden, aber ohne eine Anstellung zu garantieren. Über Ihre Leistungsansprüche subventioniert das Jobcenter den Praktikumsanbieter, der das Risiko, einen ungeeigneten Arbeitnehmer einzustellen umgeht, indem er den Praktikanten vom JC finanzieren lässt. Die Idee “Praktikum für Arbeitslose” wurde von Firmen immer wieder ausgenutzt um sich zum Beispiel in Stoßzeiten Aushilfskräfte staatlich finanzieren zu lassen, die anschließend nicht übernommen wurde, wenn die Auftragslage wie erwartet zurückging.

      Sie schreiben, dass Ihnen noch eine berufliche Qualifikation für die Stelle fehlen würde. Ein Praktikum vermittelt keine Qualifikation in dem Sinne, sondern nur Berufserfahrung. Wenn Ihnen eine Qualifikation fehlt, sollten Sie versuchen, diese über eine geförderte Maßnahme zu erhalten.

      Verstehen Sie das bitte nicht so, dass dem Praktikumgeber unlautere Absichten unterstellt werden, aber es liegen bei dem Thema eben auch negative Erfahrungen vor.

      Sie sollten sich von dem potenziellen Arbeitgeber vorab bestätigen lassen, dass:
      – Im Praktikumsvertrag wird erklärt, dass der Vertrag seitens des Praktikanten sofort beendet werden kann. Sozusagen zum nächsten Tag. Sollten Sie in dem Zeitraum des Praktikums ein Stelle finden, wären Sie über den Praktikumsvertrag nicht anderweitig gebunden.

      – Das Praktikum ist zeitlich begrenzt und überschreitet nicht 1 Monat. Ob ein Arbeitnehmer einem Job gewachsen ist oder ob grundlegende Fähigkeiten fehlen, erkennt ein kompetenter Arbeitgeber in wenigen Tagen. 1 Monat ist für die Feststellung eigentlich schon ein zu langer Zeitraum, 2 Wochen würden auch schon reichen. Wurde Ihnen ein längerer Zeitraum für ein Praktikum vorgeschlagen, dann stellt sich die Frage, ob der potenzielle AG er wirklich ernst meint oder sich einen Praktikanten finanzieren lassen möchte.

      – Der Arbeitgeber bekundet sein Interesse, dass er Sie nach dem kurzen Praktikum übernehmen möchte und erklärt, welche Gründe, die gegen die Übernahme sprechen könnten, mit dem Praktikum ausgeschlossen werden sollen. Es geht hierbei auch um Ihren Schutz. Sie sollen nicht für lau länger arbeiten und zu Ende hin heißt es “Lieber doch nicht”, ohne dass Sie eine Begründung haben. Der Praktikumsgeber ist hier zu keiner Begründung verpflichtet und das weiß das JC. Der Praktikumsvertrag endet, der Praktikumsgeber hatte Ihre motivierte Arbeitskraft und ist zu keiner Übernahme verpflichtet.

      Die genannten drei Punkte müssen unbedingt in die Begründung des Widerspruchs übernommen werden. Nur so wird deutlich, dass es sich wirklich um eine berufliche Chance für Sie seitens des Praktikumgebers handelt. Im Idealfall schicken Sie ein Kopie des Schreibens des AG mit dem Widerspruch mit.

      Sie sollten des Weiteren begründen, warum die in Aussicht gestellte Position auf Ihr Profil sehr gut passt.
      WICHTIG: Schreiben Sie unbedingt auch, dass Sie während des Praktikums weiter nach anderen Stellen suchen und sich unverändert bewerben werden.

      Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und drücken Ihnen die Daumen.
      Egal wie es ausgehen wird, wir freuen uns immer über Rücklauf: Scheiben Sie gerne noch mal zu diesem Kommentar, wie es weitergegangen ist. Sie helfen so anderen Menschen in ähnlichen Situationen.

      Antworten
  3. Ich komme aus dem IT-Bereich und beabsichtige einen Wechsel in die Altenpflege.
    Das Praktikum würde aus 1 Woche Früh und 1 Woche Spätdienst bestehen, würde also weit über die 15 Std. hinausgehen. Unentgeldlich sein.
    Und als Dank, wird das Alogeld 1 gestrichen.
    Frage: Wie soll man dann dem Fachkräftemangel entgegenwirken?
    Frage: Warum wird es einem so schwer gemacht?
    Also warten bis das Alogeld 1 ausgelaufen ist, Hartz 4 gibt es nicht. Und dann nochmal mit einem Praktikum starten…………….
    Mfg

    Antworten

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