10 Fehler, die Sie bei einer Umschulung vermeiden sollten

Sie überlegen eine Umschulung zu beginnen und fragen sich, was auf Sie zukommen könnte? Welche Schwierigkeiten treten häufig auf und wie kann man Komplikationen vermeiden? Es gibt tatsächlich einige Herausforderungen, die Sie als Umschüler geschickt umfahren sollten statt tief in das Fettnäpfchen zu treten. Denn die meisten Probleme lassen sich noch gut lösen, wenn man rechtzeitig ein Gespür dafür entwickelt, dass anfängliche Nachlässigkeit das Potential haben, zu ernsthaften Problemen zu werden. Wir haben für Sie zehn Stolperfallen ausfindig gemacht, die Sie bei einer Umschulung unbedingt beachten und vermeiden sollten.

 

Was sollte man bei einer Umschulung beachten?

Auch wenn sich diese Frage allgemein nicht abschießend beantworten lässt, so sind doch nach unserer Erfahrung einige Themen auffällig häufig bei Umschülern ein Grund zur Sorge. Mit dieser Auflistung verbinden wir die Hoffnung, dass sich so mache Schwierigkeit verhindern lässt, wenn man sich schon mal bewusst ist, welches Eskalationspotential bestimmte Situationen und Konstellationen haben können. Das heißt natürlich nicht, dass sich die folgenden Hindernisse stets sehr ungünstig entwickeln müssen.

 

1. Naive Vorstellungen über das Beratungsgespräch bei Arbeitsagentur oder Jobcenter

Wie Sie sicherlich bereits wissen, müssen Sie bei der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter einen Gesprächstermin vereinbaren, wenn Sie eine Umschulung vollständig über einen Bildungsgutschein finanziert bekommen wollen. Die Bezeichnung als Beratungsgespräch ist dabei in nicht wenigen Fällen irreführend: Das Beratungsgespräch ist oft weniger ein Informationsangebot der Behörde an Sie, sondern viel mehr Ihre einzige Möglichkeit den Sachbearbeiter davon zu überzeugen, dass Sie mit einer Umschulung gefördert werden sollten. Es wird von Ihnen erwartet, dass Sie Gründe und Argumente liefern.

Insbesondere, wenn Sie kein eindeutiger Fall im Sinne des § 81 SGB III sind, ist Ihnen gutgeraten, sich gründlich auf das Beratungsgespräch vorzubereiten. Suchen Sie sich die Informationen selbst und präsentieren Sie im Gesprächstermin eine nachvollziehbare Begründung, warum es im Interesse des Arbeitsamtes ist, dass Ihnen eine konkrete Umschulung per Bildungsgutschein finanziert wird.

 

2. Angst vor dem Eignungstest haben

Wurde Ihnen die Finanzierung der Umschulung durch einen Bildungsgutschein in Aussicht gestellt, dann kann es erforderlich sein, dass Sie einen berufspsychologischen Test bestehen, bevor endgültig über die Bewilligung der Umschulung entschieden wird. Ob ein Eignungstest verlangt wird oder nicht, hängt davon ab, welchen Umschulungsberuf Sie lernen wollen. Umschüler berichten immer wieder, dass der Eignungstest mit großen Ängsten verbunden ist: Bin ich intelligent genug? Was passiert, wenn ich durchfalle? usw.

Diese Sorgen sind zwar menschlich nachvollziehbar, aber in aller Regel unnötig und unzutreffend. Bei den Eignungstest werden zwar Testfragen zum Bereich Logisches Denken gestellt, es handelt sich jedoch dennoch nicht um einen IQ-Test (Intelligenztest). Sollten Sie den Zulassungstest wider Erwarten nicht bestehen, dann bedeutet dies auch nicht das Ende der Umschulung, sondern die Suche nach einem anderen und wohl besser passenden Umschulungsberuf.

 

3. Übereilte Wahl des Umschulungsberufs

Immer wieder ereilen uns Anfragen von Umschülern, die nach einigen Wochen oder sogar Monaten enttäuscht feststellen müssen, dass der Umschulungsberuf nicht zu ihnen passt. Manche sind von den theoretischen Anforderungen überfordert, andere völlig desinteressiert am Arbeitsalltag des neuen Berufs. Zugegebenermaßen ist es gar nicht so einfach, sich zu 100 Prozent über die Anforderungen und Abläufe einer konkreten Umschulung zu informieren. Wichtig ist deswegen, dass Sie kritisch hinterfragen, warum Sie den Umschulungsberuf für ideal halten (Empfehlung von Bekannten oder Familie? Trendberuf? Welche Hoffnungen und Erwartungen verbinden Sie mit dem späteren Job?). Seien Sie zum Beispiel vorsichtig bei der Darstellung von Berufen in Fernsehfilmen.

Andererseits sollten Sie möglichst viele unabhängige Informationsquellen zu einem Beruf heranziehen: Lesen Sie die Anforderungen zur konkreten Umschulung nach. Fragen Sie Personen, die die Umschulung momentan machen. Sprechen Sie mit Leuten, die in dem Beruf bereits mehrere Jahre arbeiten. Suchen Sie gezielt nach den Nachteilen und Schwierigkeiten der Umschulung (“Aus welchem Grund würden Sie sich heute gegen diese Umschulung entscheiden, wenn Sie nochmal wählen könnten?”), um sich selbst ein ehrliches Bild zu verschaffen. So verringern Sie die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs und das damit einhergehende Problem, für den nächsten Umschulungsversuch einen neuen Bildungsgutschein zu bekommen…

 

4- Keine ausgiebige Recherche zum Umschulungsanbieter

Den richtigen Umschulungsberuf zu finden ist das eine, den passenden Umschulungsanbieter auszuwählen ist das andere. Denn leider hält nicht jede Umschulungsstätte die teils vollmundigen Versprechen ein. Wenn Sie eine überbetriebliche oder schulische Umschulung planen, dann besorgen Sie sich Informationsmaterialen von mehreren Anbieter, um einen besseren Eindruck zu bekommen, was alles geboten wird. Es kann zwar Sinn machen einen regionalen Anbieter zu bevorzugen. Aber wenn die Ausbildungsstandards Schwächen, dann fahren Sie lieber täglich ein paar Kilometer mehr, als asich über mangelnde Qualität zu ärgern.

Hierbei sollten Sie unbedingt beachten, dass die Informationen auf den Webseiten der Umschulungsanbieter natürlich mit der “Achtung, Werbung!”-Brille gelesen werden müssen. Kritische Punkte erfahren Sie insbesondere durch aktuelle Teilnehmer oder Absolventen der Umschulung. Googeln Sie nach Absolventen oder suchen Sie auf Karrierenetzwerk-Seiten wie Xing oder LinkedIn nach Absolventen und bitten Sie um einen persönlichen Eindruck.

 

5. Unbedingt beachten: Schulden machen führt meist zu Folgeproblemen

Viele Umschüler müssen mit ihren Finanzen jonglieren. Während der Umschulung bekommen Sie statt einer Ausbildungsvergütung ein Übergangsgeld. Dieses Art Gehalt wird von der Arbeitsagentur, dem Jobcenter oder der Rentenversicherung gezahlt und orientiert sich an der individuellen Höhe des Satzes von ALG1, Hartz4 oder Krankengeld. Leider berichten Umschüler häufig, dass das Geld nicht reicht und sie Schulden anhäufen, insbesondere wenn ungeplant Investitionen getätigt werden müssen (Waschmaschine kaputt etc.).

Beantragen Sie in diesem Fall unbedingt Zuschüsse und prüfen Sie selbst, ob Ihnen noch andere finanzielle Ansprüche zustehen könnten (zum Beispiel Wohngeld, Kindergeldzuschuss, Erfolgsprämien). Bei einer betrieblichen Umschulung können Sie auch versuchen einen (Erfolgs-)Bonus auszuhandeln, denn dieser ist bis zu einer gewissen Höhe anrechnungsfrei.

 

6. Fehlzeiten anhäufen

Der Grund für Abwesenheit in der Umschulung variiert natürlich von Teilnehmer zu Teilnehmer. Doch nach einer gewissen Zeit sehen sie alle unabhängig von der Veranlassung zum Fehlen, kein Land mehr und haben das Gefühl nicht mehr mithalten zu können. Lassen Sie Fehlzeiten nicht außer Kontrolle geraten. Seien Sie gegebenenfalls ehrlich mit sich selbst, warum Sie der Ausbildung fernbleiben.

Wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht dem Tempo standhalten können, dann reden Sie mit den Sachbearbeitern der fördernden Behörde und den Dozenten / Kollegen / Vorgesetzten. Wenn Ihre Motivation schwindet und Sie sich in der falschen Umschulung wähnen, ziehen Sie zur Not die Reissleine. Wenn Sie glauben, die Umschulung ist zu schwer, sprechen Sie unbedingt mit den Ausbildern. Es gibt immer Möglichkeiten für Hilfe durch Nachhilfe etc. Gleiches gilt für familiäre Probleme. Wichtig ist, dass Sie früh reagieren statt den Sand in den Kopf zu stecken und erst zu letzt nach einem rettenden Halm suchen.

 

7. Keinen Praktikumsplatz finden

Wenn Sie eine überbetriebliche Umschulung machen, dann findet das oder finden die verpflichtenden Praktika extern statt. Die Umschulungsstätten haben zwar meist Unternehmen an der Hand, die gerne Praktikanten nehmen, doch darauf sollten Sie sich auf keinen Fall verlassen. Immer wieder hören wir von Umschülern, die noch kurz vor Beginn des praktischen Moduls nach einem Betrieb suchen.

Bewerben Sie sich mit mehreren Monaten Vorlauf um eine Praktikumsstelle. Berücksichtigen Sie dabei unbedingt die Unternehmen, bei denen Sie sich auch eine spätere Anstellung vorstellen könnten. Arbeitgeber entscheiden sich häufiger für Bewerber, die sie bereits als Praktikanten kennenlernen konnten. Das Praktikum sollte nicht nur praktische Ausbildung, sondern auch Kontakte knüpfen zu potenziellen Arbeitgebern bedeuten.

 

8. Zu spät mit lernen beginnen

Jedem müsste es seit dem Anfang der Umschulung klar sein: Erst kommt meist eine Zwischenprüfung und nach zwei Umschulungsjahren sicher die Abschlussprüfung. Dennoch beginnen viele Umschulungsteilnehmer zu spät damit, sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Das größte Problem ist meist, dass nicht von Anfang an der gelernte Stoff regelmäßig wiederholt wird. Geschieht das nicht, dann sehen sich Umschüler später einer kaum zu bewältigenden Menge an Lernstoff gegenüber. Berüchtigt sind hier die Umschulung Steuerfachangestellte, Verwaltungsfachangestellte und Pharmazeutisch-technische Assistenten. Doch letztlich kann fehlende Vor- und Nachbereitung bei jeder Umschulung zum Verhängnis werden.

Planen Sie sich deswegen ab der Woche 2 Ihrer Umschulung wöchentlich einen fixen Termin zur Vor- und Nachbereitung des Lernstoffs ein. Die Wochen vor der Zwischen- und Abschlussprüfung sollten Sie konsequent viel freie Zeit zum Lernen an den Wochenenden reservieren. Wer sich ernsthaft vorbereitet, der entzieht auch dem folgenden Problem den Nährboden…

 

9. Die Abschlussprüfungen nicht bestehen

Viele Umschüler sorgen sich, dass sie womöglich durch die Abschlussprüfung fallen könnten. Bei dem überwiegenden Teil der Teilnehmer ist diese Sorge unbegründet und beruht letztlich nur auf Anspannung. Wer sich langfristig und ernsthaft vorbereitet, muss in der Prüfung nichts befürchten. Niemand möchte Sie durchfallen lassen und die Prüfer freuen sich mit Ihnen, wenn Sie erfolgreich Ihren Berufswechsel beschließen. Von Umschülern werden wir immer wieder gefragt, ob die Abschlussprüfung im schlimmsten Fall wiederholt werden könnte. Das ist der Fall und kann sicherlich auch für nervöse Kandidaten beruhigend sein. Wenn Sie jedoch stark an Prüfungsangst leiden, sollten Sie das gegenüber den Ausbildern kommunizieren und um Unterstützung bitten.

Beachten Sie bitte folgendes Problem: Wenn Sie die Abschlussprüfung nicht bestehen und wiederholen müssen, dann kann dies sich finanziell auswirken. Die Förderung der Umschulung durch den Bildungsgutschein umfasst nur die Regelzeit der verkürzten Ausbildung. Zwar werden die Prüfungsgebühren für den zweiten Versuch meistl übernommen, der Bildungsgutschein wird aber nicht zwingend verlängert, In der Konsequenz besteht dann nur noch ein Anspruch auf Leistungen nach Hartz4.

 

10. Erst nach dem Abschluss Bewerbungen schreiben

Viele Umschüler fokussieren sich in den letzten Wochen vor allem auf die Abschlussprüfung. Ansicht eine sehr gute Entscheidung, doch dabei darf nicht in Vergessenheit geraten, dass nach der Abschlussprüfung ein möglichst zeitnaher Übergang ins Berufsleben geschafft werden sollte. Sie müssen sich also überlegen, wann Sie mit dem Bewerbungen schreiben beginnen werden. Laut Studien von Online-Stellenbörsen brauchen Fachkräfte von der Bewerbung bis zur Einstellung etwa 2-3 Monate.

Arbeitslosigkeit nach der Umschulung kann einerseits bedeuten, dass Sie vom Arbeitslosengeld auf Hartz4 gestuft werden. Zusätzlich kommt die mentale Belastung auf Sie zu, dass auf die anstrengende Zeit der Prüfungsvorbereitung und Abschlussprüfung keine Belohnung durch einen neuen Job folgt. Vermeiden Sie diesen Tiefschlag, indem Sie bereits die Praktika bei potentiellen Arbeitgebern absolvieren und sich ein halbes Jahr vor dem Abschluss mit Ihrem Zwischenprüfungszeugnis auf Arbeitssuche begeben.

 

Jedes Problem hat seine Lösung

Sie sehen, wer weitsichtig handelt und diese Tipps zur Umschulung beachtet, der hat bei einer Umschulung wenig zu fürchten und kann diese Weiterbildungsmaßnahme ideal für einen Berufswechsel mit neuen Karriere nutzen.

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